Cannabis Topisch: Wie die echte Wissenschaft hinter Cremes wirkt
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Cannabis zum Auftragen: Wie die echte Wissenschaft hinter Cremes wirklich funktioniert (oder nicht)
In diesem Ratgeber
- Gelangt es ins Gehirn oder bleibt es in der Haut?
- Topisch vs. transdermal: nicht dasselbe
- CB1/CB2-Rezeptoren existieren wirklich in deiner Haut
- Welche klinische Wirksamkeit tatsächlich belegt ist
- Das Etikettierungsproblem: was du kaufst, ist nicht immer das, was draufsteht
- Psoriasis, Dermatitis, Akne: Fall für Fall
- Häufige Mythen, einzeln bewertet
- Häufig gestellte Fragen
1. Gelangt es ins Gehirn oder bleibt es in der Haut?
THC und CBD sind stark lipophile Moleküle (fettliebend, kaum wasserlöslich), was begünstigt, dass sie in den äußeren Hautschichten hängen bleiben, statt in die Blutkapillaren überzugehen. Das ist die physikalische Grundlage dafür, warum konventionelle Topika theoretisch keine Wirkungen im übrigen Körper hervorrufen sollten.
Hess, Krämer & Madea (2017, Forensic Science International): 3 Freiwillige trugen über 3 Tage alle 2-4 Stunden großflächig THC-Salben auf (50-100 cm² Haut). Weder THC noch seine Metaboliten wurden im Blut oder Urin nachgewiesen. Dies ist die meistzitierte menschliche Evidenz für "Topika gelangen nicht ins Blut" – aber man muss ehrlich sein: Es sind nur 3 Personen in einem explorativen forensischen Design, keine vollständige pharmakokinetische Studie.
Eine in Advances in Therapy (2022, registriert bei ClinicalTrials.gov) veröffentlichte Studie testete ein gezielt entwickeltes transdermales System ("GT4") mit 100 mg CBD + 100 mg THC an gesunden Erwachsenen: Beide Cannabinoide waren im Plasma nachweisbar, wenn auch in sehr geringen Mengen (Pikogramm/mL) und ohne berichtete psychoaktive Wirkungen. Dies ist die erste Humanstudie, die zeigt, dass ein Produkt, wenn es speziell dafür formuliert ist (Penetrationsverstärker, Okklusion), tatsächlich den systemischen Kreislauf erreicht – ohne dass das zwangsläufig "high machen" bedeutet.
Der Marketing-Satz "es macht nicht high, weil es nicht ins Gehirn gelangt" ist als Verallgemeinerung für den typischen Fall korrekt (konventionelle Creme, normale Anwendung), aber kein absolutes physikalisches Gesetz, das auf jedes Produkt anwendbar wäre.
2. Topisch vs. transdermal: nicht dasselbe
"Topisch" zielt auf eine lokale Wirkung ab, auf der Haut oder im direkt darunterliegenden Gewebe; "transdermal" ist speziell mit Verstärkern entwickelt, damit der Wirkstoff die Haut durchdringt und ins Blut gelangt (wie ein Nikotinpflaster).
Hammell et al. (2016, European Journal of Pain): In einem Ratten-Arthritis-Modell zeigte ein transdermales CBD-Gel eine dosisabhängige Plasmakonzentration (bestätigt den Übergang ins Blut beim Tier) und reduzierte Entzündung und Gelenkschmerzen. Dies ist präklinische Evidenz an Tieren, nicht am Menschen. Die einzige Humanstudie zu einem echten transdermalen System ist die bereits erwähnte GT4-Studie von 2022 (offen, einarmig, ohne Placebo). Bis zum Zeitpunkt dieser Recherche existiert kein THC/CBD-Transdermalpflaster mit einer abgeschlossenen und veröffentlichten Phase-3-Studie.
3. CB1/CB2-Rezeptoren existieren wirklich in deiner Haut
Dies ist einer der am besten bestätigten Teile des gesamten Themas: Die menschliche Haut hat ein eigenes Endocannabinoid-System.
Ständer, Schmelz, Metze, Luger & Rukwied (2005, Journal of Dermatological Science) nutzten Immunhistochemie an echten menschlichen Hautbiopsien und bestätigten CB1- und CB2-Rezeptoren in Keratinozyten, Haarfollikeln, Talgdrüsen, Schweißdrüsen und kutanen Nervenfasern. Das ist solide, direkte Evidenz, keine Hypothese.
Dass die Haut Cannabinoid-Rezeptoren besitzt, bedeutet nicht automatisch, dass eine handelsübliche Creme klinisch wirkt – das sind zwei getrennte Fragen, die die Wissenschaft auseinanderhält. Und es gibt kontraintuitive Befunde: Telek et al. (2007, FASEB Journal) fanden heraus, dass die Aktivierung von CB1 in menschlichen Haarfollikeln das Haarwachstum hemmt (relevant, um Produkte zu widerlegen, die das Gegenteil versprechen), und Dobrosi et al. (2008, FASEB Journal) fanden, dass Endocannabinoide über CB2 die Talgproduktion erhöhen – der gegenteilige Effekt dessen, was "Anti-Akne"-Produkte anstreben.
4. Welche klinische Wirksamkeit tatsächlich belegt ist
Hier ist die echte Humanforschung spärlicher, als das Marketing vermuten lässt.
Zwei kontrollierte klinische Studien am Menschen mit sehr kleinen Stichproben fanden eine Verbesserung durch topisches CBD: eine bei peripherer Neuropathie (n=29, Current Pharmaceutical Biotechnology, 2020) und eine weitere bei Daumenarthrose (n=18, Journal of Hand Surgery, 2022). Das sind positive Ergebnisse, aber mit Stichprobengrößen, die zu klein sind, um allein schlüssig zu sein.
Die bislang rigoroseste klinische Phase-2-Studie (Zygel/ZYN002, synthetisches topisches CBD mit 4,2%, Ankündigung von Zynerba 2017) erreichte ihren primären Endpunkt gegenüber Placebo nicht. Eine systematische Übersichtsarbeit (Quintero et al. 2022, Plants) über Cannabinoide, die auf anderen Wegen als oral oder inhaliert verabreicht werden, kommt wörtlich zu dem Schluss, dass ein "erheblicher Mangel an qualitativ hochwertiger klinischer Forschung" besteht. Für topische Cannabinoide existiert bislang keine bestätigende Phase-3-Studie.
5. Das Etikettierungsproblem: was du kaufst, ist nicht immer das, was draufsteht
Spindle, Sholler, Cone et al. (2022, JAMA Network Open) analysierten 105 online und im Laden gekaufte CBD-Topika: Nur 24% waren korrekt etikettiert (18% enthielten mehr CBD als angegeben, 58% weniger), und THC wurde in 35% der Produkte nachgewiesen – alle unter dem gesetzlichen Grenzwert, aber vorhanden, wo es nicht beworben wurde. Spätere Laborstudien (Gidal et al. 2024, Frontiers in Pharmacology; Gardener et al. 2022) bestätigen das gleiche Muster realer Abweichungen vom Etikett.
6. Psoriasis, Dermatitis, Akne: Fall für Fall
Die Evidenz variiert stark je nach Hautzustand, und man sollte nicht von einem auf den anderen verallgemeinern.
- Psoriasis: 2-3 kleine kontrollierte klinische Studien mit moderat positiven Ergebnissen, darunter eine doppelblinde (Puaratanaarunkon et al. 2022, JEADV).
- Atopische Dermatitis: Eine kontrollierte Studie (Gao et al. 2022, herstellergesponsert) fand, dass CBD allein Placebo nicht übertraf; nur die Kombination mit Aspartam zeigte einen signifikanten Unterschied.
- Akne: Es gibt keine kontrollierte klinische Studie an echten Aknepatienten. Die Grundlage kommerzieller Behauptungen ist eine In-vitro-Studie an im Labor kultivierten Sebozyten (Oláh et al. 2014, Journal of Clinical Investigation) – echte Zellevidenz, aber keine klinische Evidenz an Patienten.
7. Häufige Mythen, einzeln bewertet
- "Topisches Cannabis macht nie high": größtenteils zutreffend bei konventionellen Produkten und typischer Anwendung, aber kein absolutes Gesetz – es hängt von Formulierung und Dosis ab.
- "Topisches CBD dringt besser ein als THC": teilweise bestätigt – In-vitro-Permeationsstudien zeigen eine mehrfach höhere Durchlässigkeit von CBD/CBN gegenüber THC.
- "Jede Cannabiscreme wirkt gleich": falsch, direkt widerlegt durch Etikettierungsstudien – die meisten handelsüblichen Produkte haben eine tatsächliche Konzentration, die von der angegebenen abweicht.
- "Es ist genauso wirksam wie ein pharmazeutisches Standard-Topikum (Diclofenac)": keine solide wissenschaftliche Grundlage – die einzige für diesen direkten Vergleich konzipierte Studie hat keine vollständig veröffentlichten, überprüfbaren Ergebnisse.
Häufig gestellte Fragen
Bei einem konventionellen Produkt und normaler Anwendung fand die verfügbare Evidenz (wenn auch aus einer sehr kleinen Stichprobe) kein THC in Blut oder Urin. Das Risiko würde nur bei speziell für systemische Absorption entwickelten Formulierungen steigen.
Ja, bestätigt durch echte menschliche Hautbiopsien: CB1- und CB2-Rezeptoren sind in Keratinozyten, Haarfollikeln, Talgdrüsen und kutanen Nervenfasern vorhanden.
Es gibt keine kontrollierte klinische Studie an echten Aknepatienten. Die verfügbare Evidenz stammt nur aus Zellstudien im Labor, nicht aus klinischer Forschung.
Mit Vorsicht – eine Studie von 2022 fand, dass nur 24% der getesteten CBD-Topika korrekt etikettiert waren.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken auf Basis veröffentlichter wissenschaftlicher Evidenz. Er stellt keine medizinische Beratung oder Behandlungsempfehlung dar. Jede therapeutische Anwendung sollte mit einer medizinischen Fachperson besprochen werden.
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