Der wahre Ursprung von 4/20: Die Geschichte, die fast niemand richtig erzählt

Der wahre Ursprung von 4/20: Die Geschichte, die fast niemand richtig erzählt

GuideGeschichte · 2026· 15 Min. Lesezeit

Der wahre Ursprung von 4/20: Die Geschichte, die fast niemand richtig erzählt

"420" ist kein Polizeicode, nicht die Anzahl der Verbindungen in Cannabis, und auch keine versteckte Bob-Dylan-Referenz. Es ist eine wahre Geschichte über fünf kalifornische Highschool-Schüler, eine Karte zu einem verlassenen Grundstück und eine Verabredung um 16:20 Uhr im Jahr 1971. Dieser Guide erzählt den verifizierten Ursprung — mit den Quellen, die ihn bestätigt haben — und entkräftet die Mythen, die seit Jahrzehnten kursieren.
1971
Ursprungsjahr (San Rafael, CA)
5
Gründungsschüler ("The Waldos")
1991
Erste Druckveröffentlichung (High Times)
§11357
Echter Besitz-Paragraf in Kalifornien

1. Der wahre Ursprung: "The Waldos", Herbst 1971

Die am besten dokumentierte und journalistisch am solidesten belegte Geschichte verortet den Ursprung an der San Rafael High School, im Marin County, Kalifornien. Eine Gruppe von fünf Freunden — Steve Capper, Dave Reddix, Jeffrey Noel, Larry Schwartz und ein fünftes Mitglied, dessen Nachname je nach Quelle leicht variiert ("Gravich"/"Gravitch") — nannte sich selbst "The Waldos", weil sie sich üblicherweise an eine Mauer (wall) der Schule lehnten.

Die Verabredung um 16:20 Uhr

Im Herbst 1971 erhielten die Waldos eine Karte, die angeblich zu einer verlassenen Cannabis-Plantage in der Nähe von Point Reyes führte, gepflanzt von einem Küstenwache-Angehörigen, der sich nicht mehr darum kümmern konnte. Sie trafen sich nach der Schule, um 16:20 Uhr, an der Louis-Pasteur-Statue auf dem Campus, um danach zu suchen — daher der Code "4:20 Louis", der sich mit der Zeit einfach zu "420" verkürzte. Sie fanden die Plantage nie, aber der Begriff blieb als ihr internes Codewort für Cannabis bestehen.

Wie diese Geschichte verifiziert wurde (und was noch nicht vollständig bestätigt ist)

Der Journalist Ryan Grim (Autor von This Is Your Country on Drugs) recherchierte und bestätigte die Geschichte, indem er die Waldos selbst direkt interviewte. Diese bewahren als Beweis Briefe mit zeitgenössischem Poststempel und eine "420"-Fahne aus den 1970ern auf — nach eigenen Angaben in einem Bankschließfach in San Francisco. Der erste journalistische Bericht über den Ursprung war der von Steven Hager für High Times ("420 or Fight", Dezember 1998), nachdem Steve Capper die Zeitschrift kontaktiert hatte.

Was nicht ebenso solide bestätigt ist: der Name des Küstenwache-Angehörigen, der angeblich die Plantage angelegt hatte, sowie die Geschichte, dass er Jahre später von einem Privatdetektiv aufgespürt wurde, tauchen nur in neueren Sekundärquellen auf — nicht in den ursprünglichen journalistischen Berichten, die den Rest der Geschichte verifizierten.

2. Wie es zu Grateful Dead und den Deadheads gelangte

Der Begriff blieb nicht auf die fünf Freunde beschränkt, weil sie eine direkte Verbindung zur Band Grateful Dead hatten. Dave Reddix' älterer Bruder Patrick Reddix war ein enger Freund des Bassisten Phil Lesh und arbeitete mit einem Nebenprojekt des Musikers zusammen; über diese Beziehung bekam Dave einen Job als Roadie mit Backstage-Zugang bei Konzerten wie denen im Winterland Ballroom in San Francisco. Außerdem kümmerte sich der Vater eines der anderen Waldos um Immobilienangelegenheiten der Band. Über diese beiden Kanäle sickerte "420" in den engeren Kreis von Grateful Dead durch und verbreitete sich während der Touren der 70er und 80er Jahre unter den Deadheads — der reisenden Fangemeinde, die der Band von Konzert zu Konzert folgte.

3. Der Sprung in die Mainstream-Kultur über High Times

Der Sprung von "420" von einer Band-Fan-Subkultur zu einem globalen Phänomen hat ein konkretes Datum und eine konkrete Person dahinter.

Der Flyer von 1990 (mit einer wichtigen Korrektur)

Der Journalist Steve Bloom, damals in der Redaktion von High Times, erhielt am 28. Dezember 1990 während eines Grateful-Dead-Konzerts im Oakland Coliseum einen Flyer. Hier lohnt es sich, eine vereinfachte Version zu korrigieren, die stark kursiert: Laut Bloom selbst erwähnte dieser Flyer weder die Waldos noch die Pasteur-Statue — tatsächlich enthielt er bereits eine falsche Version, die behauptete, "420" sei ein Polizeicode, und nannte einen anderen Treffpunkt (Bolinas Ridge, am Mount Tamalpais). High Times veröffentlichte diesen Flyer in der Ausgabe vom Mai 1991, was dem Begriff seine erste echte nationale Aufmerksamkeit verschaffte. Die korrekte, verifizierte Verbindung zu den Waldos wurde erst mit dem Bericht von 1998 veröffentlicht.

4. Die falschen Mythen, die weiter kursieren

Mit über fünf Jahrzehnten Geschichte hat "420" mehrere urbane Legenden angesammelt, die es wert sind, explizit entkräftet zu werden:

  • "Es ist der Polizeicode für Marihuana-Besitz": falsch. Ein solcher Code existiert in keiner dokumentierten Polizeidienststelle. Der tatsächliche Besitzstraftatbestand in Kalifornien ist im Health & Safety Code §11357 geregelt, ohne jegliche Verbindung zur Zahl 420 — diese Verwechslung stammt wahrscheinlich genau von dem oben erwähnten fehlerhaften Flyer von 1990.
  • "Es ist die Anzahl der chemischen Verbindungen in Cannabis": falsch. Wissenschaftliche Studien zur chemischen Zusammensetzung von Cannabis nennen Zahlen, die je nach Quelle und Jahr variieren — "über 400", "426" in einigen Zählungen der 2010er Jahre, und heute über 500-560 identifizierte Verbindungen — es gab nie eine offizielle Zahl, die exakt bei 420 festgelegt wurde.
  • "Es stammt aus einem Bob-Dylan-Song": falsch. Die populäre Theorie zu "Rainy Day Women #12 & 35" (12×35=420) ist reiner numerologischer Zufall ohne dokumentierte Grundlage, und sie ist als Ursprung auch chronologisch unmöglich: Der Song stammt von 1966, fünf Jahre bevor die Waldos den Begriff 1971 prägten.

5. Gibt es 4/20 in Europa und Spanien?

Amsterdam hat tatsächlich eine dokumentierte Tradition, den 20. April zu feiern, mit Events wie dem "420 Smoke-Out" im Vondelpark. In Spanien gibt es jedoch keinen Umzug oder ein Event, das dem amerikanischen 4/20 entspricht, am 20. April. Der Global Marijuana March, der in Madrid stattfindet, ist eine andere Veranstaltung, mit eigenem Termin im Mai, und sollte nicht mit der 4/20-Tradition verwechselt werden.

6. Häufige Fragen

Wer waren "The Waldos" wirklich?

Fünf Schüler der San Rafael High School (Kalifornien), die 1971 den Begriff "420" als Code prägten, um sich um 16:20 Uhr zu treffen und eine verlassene Cannabis-Plantage zu suchen.

Stimmt es, dass 420 ein Polizeicode ist?

Nein. Es ist einer der am häufigsten wiederholten Mythen, wahrscheinlich entstanden aus einem fehlerhaften Flyer von 1990. Der tatsächliche Code für Drogenbesitz in Kalifornien ist der Health & Safety Code §11357, ohne jegliche Verbindung zur Zahl 420.

Warum wird 420 so stark mit Grateful Dead in Verbindung gebracht?

Weil zwei der Waldos direkte familiäre und berufliche Verbindungen zur Band hatten (Backstage-Zugang als Roadie, Immobilienverwaltung für die Gruppe), was es dem Begriff ermöglichte, sich zunächst im engeren Kreis von Grateful Dead und später unter ihren reisenden Anhängern, den Deadheads, zu verbreiten.

Wann wurde der Begriff erstmals öffentlich gemacht?

Die erste Druckveröffentlichung war ein Flyer, der im Mai 1991 in der Zeitschrift High Times abgedruckt wurde — allerdings mit einer falschen Version seines Ursprungs. Die echte, verifizierte Geschichte der Waldos wurde erst 1998 veröffentlicht.

Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und historischen Zwecken über den dokumentierten Ursprung eines kulturellen Begriffs. Er stellt keine Aufforderung zum Konsum und keine Rechtsberatung dar.

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